Feuer im Supermarkt
Alarmstichwort: Feuer im Supermarkt
Ort: Travemünde, Gneversdorfer Weg
Alarmierung: 21:44
Einsatzende: 02:00
Fahrzeuge: LF 16, TLF 8/12, MZF, RW 1
Alarmierte Wehren: FF Travemünde, FF Ivendorf, FF Kücknitz,
FF Dummersdorf, FF Vorwerk,
FF Schönböcken
BF Wache 1, BF Wache 3, BF Wache 4
Der 3. Januar 2012 brachte für die Feuerwehr Travemünde einen der größten Einsätze der letzten Jahre. Als um 21:44 Uhr die Leitstelle Lübeck Alarm für die Feuerwehr Travemünde gab, ahnte wohl niemand, dass die FF 36 einen sehr langen Abend vor sich hatte. Im Supermarkt im Gneversdorfer Weg war zum Zeitpunkt der Alarmierung ein Feuer ausgebrochen, welches sich rasend schnell ausbreitete. Über die Lautsprecheranlage des Geschäfts wurden alle Kunden aufgefordert den Laden sofort zu verlassen. Eine dort arbeitende Kameradin der Freiwilligen Feuerwehr Travemünde versuchte, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, einen vergeblichen Löschangriff mit Feuerlöschern durchzuführen, doch das Feuer war nicht mehr einzudämmen und nach wenigen Minuten völlig außer Kontrolle.
Bereits auf der Anfahrt zur Feuerwache sahen die Kameraden eine starke Rauchentwicklung, konnten jedoch den Brandherd nicht lokalisieren. Erst im Gerätehaus wurde das eigentliche Einsatzziel bekannt. Das LF 16 und das kleinere TLF 8/12 meldeten sich einsatzbereit und verließen die Wache um 21:47 Uhr. Das MZF rückte mit 5 weiteren Kameraden eine Minute später aus.
Beim eintreffen auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt war das gesamte Geschäft bereits stark verraucht und Flammen im Dachbereich sichtbar. Die Ladenleitung informierte die Wehrführung der FF Travemünde darüber, dass keine weiteren Personen mehr im Gebäude waren doch ein angrenzendes Wohnhaus lag im Bereich der Rauchwolke. Von nun an ging es an der Einsatzstelle sehr schnell. Die FF Travemünde übernahm mit einem Atemschutztrupp den Innenangriff und die Erkundung im Supermarkt, während der zweite Atemschutztrupp als Sicherung vor dem Gebäude blieb. Berufsfeuerwehr und Freiwillige Kameraden evakuierten das benachbarte Wohnhaus und brachte die Anwohner in einem Bus unter, der vom Einsatzleiter angefordert wurde.
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| Die Drehleiter der Wache 3 löscht über ein Wenderohr den Brand im Dachbereich. Kollegen der Berufsfeuerwehr überprüfen den Löscherfolg | | Starke Verrauchung im Eingangsbereich. Zwischen den Türen liegt eine Rettungsleine des vorgehenden Atemschutztrupps aus Travemünde
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Unterdessen gingen bei den Freiwilligen Feuerwehren Ivendorf und Kücknitz die Melder. Die Einsatzleitstelle hatte nach den ersten Rückmeldungen vor Ort den Einsatz auf B2 Großbrand aufgestuft und nur Minuten nach dem Eintreffen unserer Kameraden rückten auch die beiden anderen Wehren aus. Der Einsatzleitdienst der Berufsfeuerehr teilte den Einsatzort in zwei Abschnitte auf. BF 3 und FF Travemünde übernahmen die Brandbekämpfung auf der Vorderseite, während FF Ivendorf, Wache 4 und die Drehleiter Wache 1 von der Rückseite aus die Dachhaut kühlten und das angrenzende Wohnhaus schützten.
Mittlerweile hatte der Travemünder Atemschutztrupp den Brandherd im Geschäft lokalisiert und angefangen ihn zu bekämpfen. Das Feuer hatte sich im Bereich der Putzmittelabteilung ausgebreitet und bis zur Decke durchgefressen. Auf Anweisung der Einsatzleitung musste der Innenangriff kurz danach abgebrochen werden, da die Gefahr bestand, das die gesamte Decke einstürzen könnte. Zudem gab es noch keinerlei Informationen über den Verbleib von gelagerten Feuerwerksartikeln. Nach kurzer Zeit wurde zwar bekannt, das kein Feuerwerk in der Nähe oder gefährdet war, die Gefahr eines Dacheinsturzes blieb aber dennoch bestehen. Somit durfte bis 23:01 kein Innenangriff mehr erfolgen. Für eine schöne Dusche bei angenehmen 5 Grad sorgte unterdessen der geplatzte Dichtungsring an der Pumpe des LF 16 Travemünde, der ein kurzes "Wasser halt" nötig machte, bis das Sammelstück an der Pumpe getauscht werden konnte.
Um 22:39 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Dummersdorf zur Alarmbereitschaft ins Gerätehaus alarmiert, da die FF Kücknitz an der Einsatzstelle in Travemünde gebunden war.
Auf Befehl der Berufsfeuerwehr öffneten Kameraden der FF Travemünde den Durchgang zwischen dem Supermarkt und dem angrenzenden Verkaufsraum per Brechstange und verkürzten somit den Weg zum Brandabschnitt 2 im Gneversdorfer Weg. Die Polizei hatte zur Sicherheit die Travemünder Landstraße ab Baggersand und den Gneversdorfer Weg ab Vogteistraße für den Individualverkehr gesperrt und ermöglichte der Feuerwehr somit ein ungestörtes Arbeiten.
Während um 23:00 der Rüstwagen der FF Travemünde nachgefordert wurde um schweres Gerät an die Einsatzstelle zu bringen und bessere Beleuchtung im Brandobjekt zu schaffen, wurde die Freiwillige Feuerwehr Vorwerk um 23:13 zur Bereitschaft in der Wache 1 der Berufsfeuerwehr beordert. Das Brandobjekt war zu diesem Zeitpunkt wieder freigegeben, da der unermüdliche Einsatz der Drehleiterbesatzung das Gebäude so heruntergekühlt hatte, das ein Einsturz kurzfristig nicht mehr zu erwarten war. Zwei Trupps der FF Travemünde gingen zum Innenangriff vor und wechselten sich mit den Trupps von Wache 3 ab. Die FF Kücknitz und ein dritter Atemschutztrupp der FF Travemünde übernahmen die Aufgabe des Sicherungstrupps. Auf der Rückseite des Gebäudes gingen jetzt die Kameraden aus Ivendorf und die Kollegen von Wache 1 und 4 in die Kellerbereiche vor.
Um 23:16 Uhr war auch für die Kameraden der FF Schönböcken der ruhige Abend beendet. Seit 2009 übernehmen die Kameraden der FF Schönböcken und Vorwerk bei Großeinsätzen den Bereich Logistik und Versorgung. Da die FF Vorwerk bereits in Bereitschaft Wache 1 stand, übernahm die FF Schönböcken mit ihrem 7,5 t Gerätewagen Logistik die Aufgabe und versorgten die Einsatzkräfte mit neuem Schlauchmaterial und noch wichtiger, heißen Getränken.
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Nachlöscharbeiten im Gebäude. Der Lüfter der Berufsfeuerwehr bläßt den Brandrauch aus dem Gebäude. Kameraden der FF 36 warten auf weitere Befehle, im Vordergrund leuchtet der Sicherungstrupp der 36er
| | Wehrführer Martin Grage bekommt Infos von der Polizei Lübeck während im Hintergrund die Drehleiter der Wache 3 über ein Wenderohr löscht. Rechts macht sich der Wachabteilungsleiter der BF 3 auf den Weg zum Dach |
Nachdem das Feuer in Gewalt war, begannen die Kameraden und Kollegen den gezielten Innenangriff gegen die Glutnester im Bereich der Deckenverkleidung. Die Wärmebildkamera der Berufsfeurwehr wurde dabei zum Einsatz gebracht. Feuerwehrmänner aus Travemünde brachten jetzt tragbare Scheinwerfer in das Gebäude um den Brandermittlern der Kripo und den Einsatzkräften im Gebäude die Sicht zu erleichtern.
Gegen 1 Uhr Nachts wurde "Feuer aus" gemeldet, doch die Aufräumarbeiten zogen sich beinahe noch eine weitere Stunde hin. So mussten die Schläuche beim Gerätewagen Logistik ausgetauscht, Schlauchtragekörbe neu gefüllt und sämtliches Material verlastet werden. Von Wache 1 kam der Gerätewagen Atemschutz zum austauschen der leeren PA-Flaschen. Erst um 2 Uhr Nachts war alles wieder Einsatzbereit und verlastet. Lediglich die Schlauchleitung zur Drehleiter der Berufsfeuerwehr blieb bestehen, da diese eine nächtliche Brandwache durchführen musste. Zum Glück erwies sich das Sturmtief "Ulli" welches während des Einsatzes im Norden wütete als nicht so gefährlich wie befürchtet. Zwar waren stürmische, teilweise auch schwere Sturmböen zu verzeichnen, die das Feuer immer wieder anfachten, aber es kam zu keinen weiteren Einsätzen und auch die Einsatzkräfte wurden dadurch nicht weiter beeinträchtigt. Im Zuge der Löscharbeiten verletzte sich ein Kamerad der FF Travemünde bei Arbeiten an der Drehleiter an der Hand. Trotz Feuerwehrschutzhandschuhen erlitt er eine Prellung auf dem Handrücken. Nach Versorgung durch den Rettungsdienst konnte er wieder am Einsatz teilnehmen.
Kurz nach 2 Uhr war dann der Einsatz beendet und alle Kameraden müde und durchgefroren wieder im Gerätehaus.
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Der Travemünder Atemschutztrupp vor seinem Einsatz.
| | Das LF 16 der FF Travemünde versorgt den Verteiler und die Drehleiter (rechts außerhalb des Bildes) mit Löschwasser. |
Andy Tilse, Travemünde den 15.01.2012